.. 23.Sep.2019 .. 00:58 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
Mummert und Partner
Die Untersuchung  

.Zur Lehrerarbeitszeit gab es 1999 eine groß angelegte Untersuchung der Unternehmensberatung Mummert und Partner. Auftraggeber war die Landesregierung vulgo Frau Behler, die damalige und glücklicherweise verflossene Ministerin für Schule (das war die blonde Frau mit den zugeschwollenen Augen, die der damalige MP Steinbrück so unnachahmlich elegant abgeschossen hat).
Es war kein Lehrerverband! (Von wegen: Wes Brot ich ess, ...!)

Das Ziel der Untersuchung war klar. In NRW musste gespart werden, das war die Maßgabe des damaligen Finanzministers Steinbrück. (Ich finde den Mann nicht mal unsympathisch, aber Lehrer mag er nicht, obwohl er mit einer Kollegin verheiratet ist/war(?).)
Es sollte gezeigt werden, dass Lehrer wenig arbeiten, dass man ihnen also noch ein paar Stunden draufpacken konnte.

Begleitet wurde das Ganze durch die Presse mit dem Tenor 'Jetzt zeigen wir den faulen Säcken mal wo es lang geht'. Die Kampagne war der Behler natürlich nur recht und dem Eindruck wurde in Interviewäußerungen - drücken wir es mal zurückhaltend aus - nicht widersprochen.

Original-pdf
(25seitige Zusammenfassung) wiedergefunden und sicherheitshalber bei mir gespeichert. (*)
Die Zahlen bei Mummert  

Unglücklicherweise war das Ergebnis, dass die Jahresarbeitszeit der Lehrer abhängig von der Schulform zwischen ca. 1750 und mehr als 1900 Stunden lag.
Das Ergebnis war nicht das gewünschte und die Untersuchung verschwand in der Schublade.

Die Unterrichtsverpflichtung an Berufskollegs und Gymnasien liegt mittlerweile (2011) nicht mehr wie anfangs der 1990er Jahre bei 23,5 Wochenstunden sondern bei 25,5 WoSt. Bei den Realschulen wurde von 27 auf 28 WoSt erhöht, bei den Hauptschulen war beim besten Willen keine weitere Erhöhung auf über 28 WoSt zumutbar.

    Im Jahr 1999 Im Jahr 2003 (*)
  Hauptschule 1791 1791
  Realschule 1769 1834
  Berufskollegs 1839 1914
  Gymnasien 1900 1978

In der Untersuchung werden in einem zweiten Schritt bestimmte Belastungen gedeckelt und damit die Zahlen runtergerechnet, z.B. die Konferenzbelastung auf maximal 45/50 Stunden pro Jahr.
Ich (Berufskolleg) komme damit aus, so ungefähr, aber fragen sie mal Gesamtschullehrer. Die wären froh, wenns in der Realität auch so wäre.

Genauer
Die Unterrichtsverpflichtung von 23,5 galt nicht für die "normalen" Berufsschulen, die mussten 24,5 WoSt unterrichten, sondern für die Kollegschulen, an denen einige Reformen ausprobiert wurden, die heute an allen Berufskollegs üblich sind (Beispiel: doppelqualifizierende Bildungsgänge).
Vergleich  

Die nicht runtergerechneten Zahlen liegen deutlich über denen des öffentlichen Dienstes und auch deutlich über denen der "normalen" arbeitenden Bevölkerung.
Hierbei muss man IMHO berücksichtigen, dass bei den anderen Arbeitszeiten gerechnet wird 'von Stechuhr zu Stechuhr', d.h. hier wird die Anwesenheitszeit am Arbeitsplatz genommen.
Bei Lehrern werden Kaffee- / Zigaretten- / Pinkel- / Schwätzchen- und Zeitungspausen nicht zur Arbeitszeit gerechnet, bei den anderen Berufsgruppen ist das drin. Nehmen sie für jede dieser Tätigkeiten mal 5 Minuten pro Tag, dann kommen sie auf 100 Stunden (= 2 1/2 Arbeitswochen) pro Jahr. Und diese Schätzung ist wirklich konservativ, das müssen sie zugeben.
Und erzählen sie nicht, das sei eine Erfindung meinerseits; ich kenne Büros aus immerhin mehrmonatiger Erfahrung von innen und habe Handwerkern bei der Arbeit zugesehen.
Einige kleine Pausen müssen auch sein; niemand erwartet doch ernsthaft von einem Maler, dass der 8 Stunden anstreicht ohne ein paar Zigaretten- oder Kaffepausen, ohne sich mal ein Bier aufzumachen und dabei mal in die Zeitung zu sehen oder ohne zu pinkeln. In der Spiegelredaktion wird das selbe gelten.

Schon 1 1/2 Stunden auf der Bühne (= vor der Klasse) stehen, und das mehrfach täglich, ist nicht einfach. Probieren sie es aus, werden sie Lehrer, die Leute werden im Moment gesucht. ;-)
Nach ein paar Jahren hat man sich dran gewöhnt.

Nun ist der Vergleich natürlich trotzdem nicht ganz fair. In den oberen Einkommensgruppen gibt es diese festen Arbeitszeiten nicht, da geht man ohnehin von mehr als 40 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit aus. Beim durchschnittlichen Lehrer liegt sie aber eben auch deutlich drüber, selbst wenn man die Ferien berücksichtigt.

Wenn aber ...
... von professionellen Hütchenspielern wie Ackermann von durchgehenden 16-Stunden-Tagen geredet wird sollte man ebenso vorsichtig sein wie bei 3000 Jahresstunden bei Lehrern.
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