.. 16.Nov.2019 .. 03:27 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
Ich könnte mich übergeben
Gehaltserhöhung 2013/14/15  

Ich kann mich an keine Lohnrunde erinnern, wo nicht mit dem Argument gearbeitet wurde: "Ihr Beamten habt einen sicheren Arbeitsplatz, ihr müsst auch mal etwas Solidarität zeigen".

Meist ging das ja glimpflich aus. Da wurde die Lohnerhöhung weitergegeben, wenn auch mit einer Verzögerung von 3, 4 oder auch 6 Monaten. Das ist nicht weiter schlimm, 400 bis 800 € einmal, man wird so aber nicht dauernd von der Einkommensentwicklung abgehängt.

Es gab natürlich auch Zeiten, die mir sehr unangenehm in Erinnerung bleiben. Anfang der 90er gabs eine auf drei Jahre angelegte Erhöhung, in der eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit von 40 auf 38,5 Stunden pro Woche (im möffentlichen Dienst) durch eine verglichen mit der allgemeinen Entwicklung weniger als halb so großen Lohnerhöhung kompensiert wurde. Der Gag für mich als Lehrer an einer Kollegschule (=Berufskolleg) lag darin, dass meine wöchentliche Unterrichtsverpflichtung von 23,75 auf 23,5 sank. Also wurde die Arbeitszeit um 3,5% gesenkt, außer für die Lehrer (1-2% je nach Schulform).

In den späten 90er Jahren wurde diese Reduzierung der Arbeitszeit rückgängig gemacht, bei mir kam aber nicht 1/4 Wochenstunde dazu sondern eine ganze. Mathematisch ist sowas angreifbar.

In den frühen 2000er Jahren kam dann die Reduzierung des 13. Gehalts auf die Hälfte (und Streichung des Urlaubsgeldes) bei Erhöhung des Stundendeputats um eine Stunde. Die Reduzierung des 13. Gehalts um 50% wurde wie versprochen nach drei Jahren zurückgenommen, dann aber gegen eine Reduzierung um 70% ersetzt. Nun gut, immerhin Wort gehalten, wenn auch anderes als erhofft.

Und nun hat sich die Frau Kraft (MP NRW) zusammen mit der Frau Löährmann (Schulministerin NRW) eine besondere Motivationsmaßnahme für den höheren Dienst ausgedacht (das sind ganz überwiegend Lehrer: an Gymnasien, Berufskollegs, Sonderschulen und einem Teil der Gesamtschulen).

Der öffentliche Dienst hat in diesem Jahr eine Lohnerhöhung von 5,6% erkämpft - in Wirklichkeit vereinfacht gesagt 2,8% für 2013/14 und 2,8% für 2014/15.

Da war ich natürlich frohen Mutes, trotz der sicher nicht vollständigen Übernahme für die Beamten wenigstens den Inflationsausgleich zu bekommen, endlich mal wieder.

Als ich dann erfuhr, wie diese Übernahme erfolgen sollte, habe ich gelinde gesagt geschluckt. Bis A10 eine komplette Übernahme, A11 und A12 nur 1% pro Jahr, als -1% real, und ab A13 zweimal garnichts. Das bedeutet für mich in den nächsten zwei Jahren einen realen Einkommensverlust von ca. 4% und 5-6% "Verlust" gegenüber dem Rest der Beschäftigten in halbwegs geordneten Arbeitsverhältnissen.

Eine angesichts der Notlage im NRW-Haushalt nachvollziehbare Lösung hätte ja auch so aussehen können: Bis A10 ganz leichte reale Steigerung, A11 und A12 leichte reale Verluste, ab A13 etwas stärkere reale Verluste (zum Beispiel zweimal 1,5%). Aber zweimal Null, das ist einfach nur widerwärtig.

Da nutzt dann auch der hingeheuchelte billige Brief der MP an die Betroffenen nichts. Die ganze Aktion kommt bei mir und bei vielen Kollegen in etwa so an: "Was? Lohnerhöhung? Ihr könnt euch mal irgendwohin ... :".
Steinbrück und seine Nebeneinkünfte einerseits und der Tritt in unseren Arsch andererseits, das kommt nicht gut an. Frau MP, ich habe seit 40 Jahren immer die selbe Partei gewählt, raten Sie mal welche und welche in Zukunft sicher nicht mehr.

Die ...
kann man natürlich nicht ausschreiben.

Konsequenzen? Ich meine abgesehen von der Tatsache, dass ich demnächst gegen meine Grundüberzeugungen wähle?

Auf jeden Fall eine: Ich habe keine Lust mehr. Eigentlich macht mir das Unterrichten auch jetzt, mit 60, immer noch Spaß, aber wenn einem auf solche dämliche (Wortwitz!) Art klargemacht wird, dass man nicht wertgeschätzt wird, dann mag man nicht mehr so recht.

Eine üble Konsequenz wird sein, dass der Lehrernachwuchs in allen Fächern, die eine halbwegs attraktive Alternative in der "freien Wirtschaft" bieten, kaum noch Nachwuchs an den Schulen zu erwarten ist. Ich rate zumindest männlichen Schülern dringend von dem Beruf ab.

Wenn der Einkommensabstand zwischen einem anpruchsvollen Ausbildungsberuf (Ausbildungsende 22 Jahre) und einem Studium für die Sekundarstufe II (Ausbildungsende nach der Referendarzeit typischerweise 29 Jahre bei höherem Risiko -> Abbrecherquoten!) immer geringer wird, und das passiert gerade sehr schnell, dann muss man von diesem Beruf abraten, und zwar in aller Deutlichkeit.

FINGER WEG VON DEM BERUF!!

Frauen haben
im Schuldienst wenigstens den Vorteil, Männern gegenüber nicht benachteiligt zu sein (sogar im Gegenteil), deshalb rate ich da nicht so deutlich ab.
Ab 22jul10: 174 Bes.
jaik.de