.. 16.Nov.2019 .. 02:04 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
Der Spiegelartikel
Der famose Spiegelartikel.  

Um eines direkt klar zu stellen: nicht alles, was da steht, ist falsch. Es gibt die Dummköpfe, die Verpisser und auch die psychisch Angeknacksten. In welchem Beruf gibt es keine Nieten? Bei den Journalisten gibt es jedenfalls welche, z.B. die Verfasser des Artikels.

Was einen als Lehrer aber ankotzt, das sind die Schlagzeilen, die - wie der ganze Artikel - eindeutig tendenziös sind.
Wenigstens ein paar offensichtliche Blödheiten muss man sich angesehen haben.

14 Wochen Ferien ...  

... plus 40 Wochen Unterricht (beide Zahlen sind aus dem Artikel) geben das Spiegeljahr mit 54 Wochen. Das scheint in Hamburg irgendwie anders zu sein als bei uns in NRW, bei uns besteht das Jahr nur aus 52 1/2 Wochen.

Selbst die 12 1/2 Wochen, mit denen immer argumentiert wird, sind nicht seriös: In der Ferienzeit liegen immer die Feiertage Karfreitag und Ostermontag sowie 1. und 2. Weihnachtstag, Neujahr, Heiligabend, Sylvester, Pfingstmontag, gelegentlich (wie grad 2011) auch Allerheiligen.

Da muss man fairerweise eine gute Woche von den 12 1/2 abziehen, denn an diesen Tagen ist auch für den Rest der Bevölkerung frei.

Das ist immer noch viel, aber kaum ein Kollege verbringt nicht mindestens zwei weitere Ferienwochen mit Korrekturen o.ä.

Für mich waren die Weihnachtsferien immer ein Graus, wenn ich wie in den meisten Jahren Abiturvorschläge zu machen hatte: GK mind. 60 Stunden, LK mind. 80 Stunden. Da blieb von den 2 Wochen abzüglich der Feiertage weniger als nichts.

Ferienarbeit
Die Abiturvorschläge fallen demnächst weg - Zentralabitur. Dafür ist die Durchführung deutlich aufwändiger. Insgesamt ists aber etwas besser als zuvor.
Die Frühpensionierungen

Vorwurf: Ca. 0,8% der Lehrer waren bei der Pensionierung weniger als 45 Jahre alt. Das ist aber nicht anders als in anderen Berufen.

Vorwurf: Nur 9,4% der Lehrer erreichten das normale Pensionsalter, die deutschen Lehrer gehen im Schnitt viel zu früh in den Ruhestand.
Andererseits beträgt das Durchschnittsalter der Lehrer ca. 52 Jahre, was den Lehrern auch wieder angekreidet wird.

Wenn man die beiden Zahlen mal in Beziehung zueinander setzt, müsste auch dem dümmsten Spiegelredakteur auffallen, dass da was nicht passt. Wenn die Lehrer sind im Durchschnitt sehr alt sind, dann können sie nicht außergewöhnlich früh in Pension gehen. Wenn sie früh in Pension gingen, dann wäre das Durchschnittsalter nicht so enorm hoch.

Den Spiegelredakteuren fällt nichts auf, das Zeugs wird gedruckt.

Die Realität sieht mttlerweile so aus, dass das Durchschnittsalter bei der Pensionierung von Lehrern in der Gegend von 62 Jahren liegt. Und das, obwohl bei uns jeder, der es sich irgendwie leisten kann, mit 63 unter deutlicher Reduzierung der Altersbezüge aus dem Dienst ausscheidet.

Das hohe Alter ...
... kommt in der Tat als Vorwurf!
Dabei hängt es damit zusammen, dass die Lehrer in Deutschland verglichen mit anderen Ländern spät pensioniert werden.
Die elektronischen Analphabeten

Betrachten Sie einfach mal die Seiten des elektronischen Analphabeten Jaik. Und ich bilde wahrlich nicht die Speerspitze des elektronischen Fortschritts, was Lehrer betrifft.

Nun gut, es gibt auch "elektronische Totalverweigerer". Bei mir an der Schule, einem Berufskolleg mit gut 100 Lehrern, reicht eine Hand locker, um die aufzuzählen.

Das mag in der ein oder anderen Grundschule anders sein, da ist der Druck seitens der Schüler vielleicht noch nicht so groß. Aber schauen Sie sich die Seiten vieler Grundschulen und deren Lehrer an, da sehen Sie, dass das keinesfalls flächendeckend gilt.

Schön, wenn man im Spiegel dann solche verallgemeinernden Sottisen liest.

Die Arbeitszeit nach Spiegel und OECD

Schön groß am Anfang und in einer Grafik: Jährliche Unterrichtszeit in den USA: 1127 Stunden, in Deutschland 735 Stunden. (Das sind die OECD-Zahlen)

Die Zahlen beziehen sich auf die Sekundarstufe I, also vor allem Haupt- und Realschullehrer. Die haben bei uns eine wöchentliche Unterrichtsverpflichtung von 28 Stunden.

Dreisatz: 735 Jahresstunden entsprechen 28 Wochenstunden, 1127 Jahresstunden entsprechen 43 Wochenstunden (gleiche jährliche Zahl von Unterrichtswochen vorausgesetzt). Wohlgemerkt: Unterricht!
Schaut man sich die entsprechenden Exceltabellen bei der OECD mal an, so findet man auch diese Zahl

Da muss doch jedem Deppen auffallen, dass da steht '5 Pflaumen sind mehr als 3 Birnen', so offenkundig unsinnig sind die Zahlen.
Nein, die Zahlenanalphabeten vom Spiegel merken nichts.

Dazu ...
... folgt noch eine ausführlichere Betrachtung.
Ab 22jul10: 158 Bes.
jaik.de