.. 23.Sep.2019 .. 00:58 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
Gehalt - andere Berufe
Das Lehrergehalt für Beamte  

Jeder kann sich die Besoldungstabellen im Netz ansehen. Da sich die Verweise allzu oft ändern werden, geben Sie einfach bei Google ein "besoldungstabelle beamte nrw", da erhalten Sie die aktuellen Zahlen.

Mit dem Gehaltsrechner auf oeffentlicher-dienst.info erhält man zum jetzigen Zeitpunkt (Nov 2011) für einen ledigen 28-jährigen SekII-Lehrer (Gymnasium/Berufskolleg) knapp 3400€/Monat brutto und ca 2650€/monat netto, von denen nur noch die Beiträge für die Krankenversicherung abgehen, das liegt im Bereich von etwa 150€/Monat (Mann) und 180€/Monat (Frau). Die Größenordnung fürs effektive Netto liegt also bei ca 2.500€/Monat.
Für den Lehrer in der Sekundarstufe I ergibt sich entsprechend etwa 2300€/Monat effektives Netto.

Etwas problematisch ist die Angabe der notwenigen Studiendauer, da die Lehrerausbildung zur Zeit grundlegend reformiert wird. Man kann aber für die momentan unterrichtenden Lehrer von einer Regelstudienzeit von 7 Semestern (Primarstufe,Sekundarstufe I) bzw. 9 oder 10 Semestern (Sekundarstufe II) ausgehen. Das entsprach in etwa den Regelstudiendauern für Ingenieure oder Betriebs-/Volkswirte an den Fachhochschulen bzw. Universitäten.

Die reale Studiendauer liegt natürlich drüber, bei Lehrern etwa 1 Semester weniger als bei Ingenieuren (ohne Quellenangabe, habe ich mal auf einer Uniseite gelesen).
Dafür müssen Lehrer allerdings eine zweijährige Referendarzeit absolvieren, während der sie auf Hartz4-Niveau bezahlt werden; dazu kommen nicht vermeidbare und nicht sinnvoll nutzbare Wartezeiten von etwa 3-6 Monaten.

KV, Wartezeiten
Die Beihilfe zahlt für den angegebenen Fall nur 50% der Kosten (abzüglich einer gewissen Selbstbeteiligung), für den Rest muss man sich privat versichern.
Die Wartezeiten sind unvermeidlich, weil es nur einen, gelegentlich auch mal zwei Einstellungstermine für die Referendare gibt.
Ingenieure/IT  

Auf der Seite lohnspiegel.de fand ich heute für einen Mann/Westdeutschland/weniger als 5 Jahre Berufserfahrung/nichtleitende Position in einem Betrieb mit 100 - 500 Beschäftigten ein Durchschnittsgehalt von 3881€/Monat.

Im Spiegel von 2004 findet sich eine Seite zu Ingenieuren, wo zum Teil deutlich höhere Zahlen genannt werden als auf lohnspiegel.de. Auch wird dort erwähnt, dass nicht selten Vergünstigungen wie privat nutzbare Dienstwagen gewährt werden.

Auf einer Seite für IT-Berufe (ein vergänglicher Link, fürchte ich) fand ich Zahlen für Softwareentwickler, Datenbankadministratoren und IT-Berater. Die Durchschnittsverdienste liegen zwischen 50.000€/Jahr (ca 4100/mon) und 60.000€/Jahr (ca 5000/mon).
Interessant ist hier die Gehaltsentwicklung. Für die Datenbankadmnistratoren werden folgende Mediane angegeben: bis 2 Jahre Berufserfahrung ca. 36.000, 6-8 Jahre Berufserfahrung ca 52.000. Die Gehaltssteigerung innerhalb von 5 Jahren beträgt also 40-45%, bei Lehrern beträgt die Gehaltsteigerung während der gesamten Berufstätigkeit etwa 30%.

Der Link
für die IT-Berufe sollte aber weiter zu einer entsprechenden Seite führen, auf der man dann womöglich aktuellere Zahlen findet.
(Spiegelartikel lokal)
Fair ist das nicht

Der Vergleich bezieht sich auf die besser gestellten akademischen Berufe. Im Bereich BWL wird schlechter gezahlt, Bauingenieure sind schlechter dran als die aus den Bereichen Elektro/Maschinenbau.

Am übelsten ist natürlich, dass man die Bruttogehälter nicht vergleichen kann, weil Lehrer/Beamte nicht direkt für ihre Altersversorgung zahlen müssen. Vergleiche sind außerordentlich schwierig und hängen von der jeweiligen individuellen Situation ab. Vereinfacht kann man wohl sagen: ein unverheirateter Arbeitnehmer in der Wirtschaft steht sich verglichen mit dem Beamten schlecht, weil dann bei seinem höheren Bruttogehalt die Steuerprogression fröhlich zuschlägt. Bei einer/m Verheirateten mit drei Kindern, der womöglich viel absetzen kann (der Bau eines Hauses ist bei einem Akademiker sicher keine allzu verwegene Vorstellung) werden sich die effektiv zu zahlenden Steuern annähern.

Mir wäre erheblich lieber, wenn man für die Lehrerbesoldung das selbe System anwenden würde wie für alle anderen auch. Das momentane System ist nicht zeitgemäß. War es das jemals?

Kurze Wertung  

  • Man kann davon ausgehen, dass Lehrer beim Berufseinstieg netto so gut dastehen wie vergleichbare Ingenieure, vielleicht sogar etwas besser. Allerdings findet der Berufseinstieg bei Lehrern mindestens ein Jahr später statt (Referendarzeit).
  • Durch die praktisch nur erahnbare Gehaltsdynamik bei Lehrern werden Ingenieure im Schnitt nach wenigen Jahren mehr verdienen als Lehrer. Eine sehr wertvolle Kompensation dieser Tatsache ist die schnell einsetzende Unkündbarkeit bei beamteten Lehrern.
  • Ich arbeite an einem Berufskolleg; in dieser Schulform gibt es relativ viele Kollegen mit Erfahrungen in einem "richtigen" Beruf sowie auch viele Quereinsteiger, überwiegend Frauen. Generell wird als wichtigstes Argument für diesen Wechsel die bessere Vereinbarkeit von Privatleben, vor allem Familie (Babypause), und Beruf genannt. Man hört keine Freude über weniger Arbeit oder weniger Stress; und wenn finanzielle Veränderungen erwähnt werden, dann ist stets die Rede von - gelegentlich sehr deutlichen - Einschnitten.
  • Kleine Geschichte, lange her: Nachdem ich etwa 7 oder 8 Jahre im Beruf war (+ 2 Jahre Referendarzeit), wollten mir ein paar befreundete BWLer (teils Uni, teils FH), die noch nicht halb so lange im Beruf waren erzählen, wie gut ich verdiene und fragten nach meinem Nettogehalt. Zunächst musste ich sie auf die höchst unterschiedliche familiäre Situation (verheiratet mit Kindern bei mir, z.T. unverheiratet bei den Bekannten) und dem daraus resultierenden Unsinn eines Nettovergleichs hinweisen. Nach der Bitte, dass sie sich ihre Alterversorgung selbst einrechnen mögen und der Nennung meines Bruttogehalts trat betretene Stille ein und das Thema war vom Tisch.
  • Übrigens: angestellte Lehrer sind so deutlich schlechter dran, dass Vergleiche mit Ingenieursgehältern schon peinlich werden.

Ab 22jul10: 2203 Bes.
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