.. 16.Nov.2019 .. 03:04 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
Gehalt - international
Die reinen Zahlen  

Ich habe die Zahlen der OECD und von EURYDICE von 2003 stehenlassen, da sich prinzipiell nichts verändert hat.

Zunächst mal eine völlig eindeutige Feststellung, egal auf welche Quelle man sich bezieht:
Deutsche Lehrer steigen mit einem sehr hohen Einkommen in den Job ein. Das wird nur noch von der Schweiz getoppt.

Drei Dinge muss man allerdings relativierend berücksichtigen:

  • Bei den Endgehältern ist die Situation für die deutschen Lehrer nicht mehr so gut. Hier liegen "wir" hinter der Schweiz, Korea, Japan, sogar Portugal (*) und im Bereich von Österreich und den USA.
    Schauen Sie sich hierzu mal an, was das IFO-Institut dazu ausführt (interner Link).
  • Die Gehälter steigen in Deutschland weniger schnell als im Durchschnitt der anderen Staaten. Das Endgehalt eines Realschullehrers (mit 65) liegt etwa 30% über seinem Startgehalt (mit ca. 28). Typische Gehaltssteigerungen in den anderen OECD-Staaten liegen merklich über 50%, siehe Tabelle.

Seriöserweise muss man mit Ländern vergleichen, deren Lebensstandard bzw. Gehaltsniveau unserem ähnelt, also z.B. Skandinavien, Frankreich, Benelux, Österreich, GB. Griechenland oder Ungarn sind als Vergleichsländer zumindest im Moment weniger geeignet.

Ein paar Zahlen: Quelle: OECD (jeweils US-$) % BIP (Ende)
Land Anfangsgehalt Endgehalt OECD EU-Komm
USA 28693 49728 142 --
Deutschland 39853 51210 192 190
Finnland 22320 32429 123 142
England 23297 36864 142 178
Korea 25045 68449 431 --
Niederlande 28498 43552 152 156
Frankreich 24016 45501 178 185
Spanien 30228 43790 209 213
Bemerkungen: Bei den deutschen Lehrern hat die EU Realschullehrer zugrunde gelegt. Bei den Hauptschullehrern sieht es schlechter aus, die liegen mindestens 5% drunter.
  Die Angaben sind überwiegend ähnlich. Deutliche Unterschiede gibt es bei Finnland und England.
Mit den Zahlen aus England hat die OECD ohnehin ein Problem (-> Arbeitszeiten).
Die Abweichung bei den finnischen Zahlen ist mir unerklärlich.
  Die Prozentzahlen der OECD musste ich per Dreisatz berechnen. Den kann ich aber.
  Übrigens: Die immer größer werdende Gruppe der angestellten Lehrer ist deutlich schlechter dran. Deutlich!
Die Zahlen ...
... werden sich ein wenig zugunsten anderer Länder verschoben haben. Generell geringe Steigerungen der Gehälter in D, die Beamten liegen eh immer etwas unter dem Schnitt, 13. Gehalt marginalisiert. Im Prinzip gilt aber im Vergleich mit anderen Ländern immer noch: sehr hohes Einstiegsgehalt bei sehr niedrigem Zuwachs.
Das Einstiegsalter ...  

... spielt natürlich bei der Betrachtung eine erhebliche Rolle. Man kann davon ausgehen (siehe das Zitat unten), dass deutsche Lehrer im Schnitt mindestens drei Jahre später beginnen als der durchschnittliche OECD-Lehrer. Das liegt nicht an der Blödheit der Lehrer, sondern der Organisation der Ausbildung.

Der 25jährige Europäer startet mit 28.000 $ und hat nach 15 Jahren 42.000 $, der Deutsche startet mit knapp 40.000 $ und hat nach 12 Jahren - dann ist er so alt wie sein Kollege - wegen der sehr viel geringen Gehaltsdynamik in Deutschland 46.000 $. Setzt man einfaches lineares Wachstum voraus, haben beide bis zu ihrem 40. Lebensjahr etwa 520.000 $ erhalten, brutto versteht sich.
Netto dürfte es für den deutschen Kollegen wieder etwas schlechter aussehen, was aber deutlich überkompensiert wird dadurch, dass die Gehaltssteigerungen bei uns länger vorgenommen werden und zu einem höheren Endgehalt führen. Mit 45 oder 50 wird der Vergleich sicher zu Gunsten der deutschen Kollegen ausfallen, je nach Vergleichsland merklich früher oder auch später.

Zitat n-tv: "Auffällig ist das deutlich höhere Alter deutscher Lehrer bei Berufseintritt. International betrachtet ist eine typische Grundschullehrkraft am Ende ihrer Ausbildung 24 Jahre alt und weiblich. Die junge Lehrerin in Deutschland hat das 27. Lebensjahr vollendet. Sekundarstufen-I-Lehrer starten in Deutschland im Schnitt mit 30 Jahren in den Beruf - international mit 24." (Die Zahl für die deutschen SI-Lehrer zweifle ich an, zwei Jahre weniger dürftens wohl sein.)

Ich könnte ...
... platzen, weil ich wieder mal eine Quelle verlegt habe.
Das Zitat ist von n-tv, lokal als *.pdf.
NRW

Hier haben wir einen kleinen Sonderfall. Im Jahr 2003 wurde das Weihnachtsgeld/13. Monatsgehalt für drei Jahre um 50% gekürzt, das Urlaubsgeld (waren aber eh nur 300 €, wenn ich mich recht entsinne) fiel ganz weg.
An anderer Stelle bekamen wir allerdings auch etwas dazu (eine Stunde zusätzliche Unterrichtsverpflichtung).

Nach drei Jahren wurde die 50%ige Kürzung wie versprochen zurückgenommen und gegen eine 70%ige Kürzung ersetzt. Es gab Kollegen, die angenommen hatten, wir bekämen dann wieder das volle 13. Gehalt. Es gibt schon naive Leute.

Mir ist schon klar, dass sich die Bedingungen in vielen Berufen gerade in den letzten 10 Jahren nicht verbessert haben, aber die Kombi aus 7% weniger Gehalt bei 4% höherer Unterrichtsverpflichtung ist schon putzig.

Eine wirklich genaue Analyse ...  

... ist das alles natürlich nicht.

Auch EURYDICE weist darauf hin, dass die Gehaltsstrukturen in den verschiedenen Ländern nur schwer vergleichbar sind. Es gibt in vielen Ländern Zusatzleistungen für die Übernahme bestimmter Aufgaben, Fortbildungen, ..., bei uns ist das im Gehalt drin. Man müsste die genauen steuerlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen, die Ausbildungszeiten, mit anderen Berufen ähnlicher Qualifikation vergleichen, eine Kaufkraftanalyse machen.
Kann ich nicht, da fehlen mir die betriebs- und volkswirtschaftlichen Kenntnisse, das fehlende Zahlenmaterial wäre da noch das kleinere Problem.

Ich sagte es schon, glaube ich: die wenigsten deutschen Lehrer - viele Angestellte mal mit Recht ausgenommen - fühlen sich unterbezahlt. Die maulen auch nicht übers Geld, sondern über die Arbeitsbedingungen. (Ich werds sicherheitshalber noch mindestens einmal erwähnen).

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