.. 16.Nov.2019 .. 02:02 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
Gehalt - ifo-Institut
Das Ifo-Institut ...  

... ist keine Organisation der deutschen Lehrerschaft, die gefälschte Untersuchungen veröffentlicht, um diese Berufsgruppe in ein besseres Licht zu rücken.

"Das ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo: Akronym aus Information und Forschung) ist eine Münchner Forschungseinrichtung, die als eines der größten Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands ihre Arbeit der Analyse der Wirtschaftspolitik widmet und monatlich den ifo Geschäftsklimaindex ermittelt. Sie war nach einer vom Handelsblatt zitierten Studie 2006 die veröffentlichungsstärkste ökonomische Denkfabrik in Deutschland." (Zitat aus dem Wikipedia-Artikel.)

Da gibt es auch den Bereich Humankapital und Innovation (HI), geleitet vom Bildungsökonomen Ludger Wößmann, der auch für den Aktionsrat Bildung tätig ist. Von denen stammen Erkenntnisse vom Kaliber "Klassengröße ist egal, das können ruhig 30 Leute und mehr sein". Das sondert ein Expertengremium mit neun Mitgliedern ab, die zusammen höchstens so viel unterrichtet haben wie ich in einer Woche.
Was ich damit sagen will: Man kann das Institut nicht unbedingt als lehrerfreundlich bezeichnen.

Auszüge  

"Deutsche Lehrer sind Spitze! Zumindest liegt das Anfangsgehalt von Absolventen eines Lehramtsstudienganges in Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze. Allerdings landen sie im Laufe der Berufsjahre im Mittelfeld der Gehälter, die Lehrern gezahlt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die OECD-Studie »Bildung auf einen Blick«, die Lehrergehälter an öffentlichen Schulen vergleicht. Die Beträge wurden, um eine internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, in US-Dollar umgerechnet und in Kaufkraftparitäten ausgedrückt."

"Während deutsche Lehrer der Sekundarstufe I über ein Drittel mehr verdienen als der Durchschnitt der Deutschen, liegen ihre finnischen Kollegen beim Gehalt nur gut 27% über dem nationalen Durchschnitt."

Sie finden im Artikel des ifo-Instituts weiterhin Bemerkungen zur Systematik der Untersuchung, außerdem Zahlenmaterial zu einem guten Dutzend Ländern, bezogen auf die Gehälter in den drei Schulstufen (Primar, SI und SII).

Den ganzen Text
habe ich im Netz nicht wiedergefunden, aber das Originaldokument habe ich hier als *.pdf hinterlegt.
Gehaltshierarchie Finnland

Für einen reellen Vergleich der Gehälter muss man aber einen weiteren Aspekt berücksichtigen, nämlich die Stellung der finnischen Lehrer in der finnischen Gehaltshierarchie. Hierzu fand ich ein aufschlussreiches Zitat zum Arbeitsmarkt in Nordeuropa.

"Geringe Nachfrage nach Finnland und Island ... Darüber hinaus sind die Gehälter nicht allzu üppig bemessen. Ein Ingenieur beispielsweise verdiente im Jahr 2000 durchschnittlich 3.200 Euro im Monat, ein EDV-Organisator und Programmierer 2.400 Euro, ein Facharzt etwa 4.350 Euro und ein Studienrat knapp 2.900 Euro."
(Quelle: JedeMengeArbeitinSkandinavien - Uni-Magazin 4/2002)

Man findet also die finnischen Lehrer ungefähr da wieder, wo sie auch in Deutschland stehen, also etwas unterhalb des durchschnittlichen Ingenieursgehalts.

uni-magazin
Ich habe feststellen müssen, dass für den Artikel gilt: "vanished into thin air".
Bemerkungen  

  • Bei den Anfangsgehältern wird nicht berücksichtigt, dass die Ausbildung in Deutschland (unsinnig) lang ist. Da müssen wir beim Berufseinstieg gegenüber dem Finnen erst mal einige zehntausend Euro aufholen. Immerhin werden aber nicht einfach die nackten Zahlen gegeneinander gestellt.
  • Die deutschen SekI-Lehrer liegen also gut 135% ("über 1/3 mehr") über dem Durchschnitt, die Finnen nur 127%. Wirklich ein beeindruckender Unterschied. Wenn ich dann die dortigen Arbeitsbedingungen mit den hiesigen vergleicht und das Bild der Lehrer in der Öffentlichkeit dort und hier, dann weiß ich garnicht, woher man das viele Essen nehmen soll, das ich erbrechen möchte.
  • Ich bin davon überzeugt, dass sich die finnischen Kollegen mehr und individueller um ihre Schüler kümmern. Weniger arbeiten als wir werden die auch nicht. Ich würde aber lieber zu den dortigen Konditionen - vulgo kleinere Klassen, geringere Unterrichtsverpflichtung, pädagogisches Assistenzpersonal - arbeiten als zu den hiesigen.

Ab 22jul10: 154 Bes.
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