.. 23.Sep.2019 .. 00:58 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
Arbeitsbedingungen
Prinzip  

Die ferienbereinigte wöchentliche Arbeitszeit sollte bei etwa 42-45 Stunden liegen. Mehr nicht.

Eine Anwesenheitspflicht über den Unterricht hinaus ist unter den momentanen Bedingungen nicht sinnvoll. Eine Änderung der Rahmenbedingungen, die eine sinnvolle Arbeit in der Schule ermöglicht und dann auch eine höhere Anwesenheitspflicht zur Folge hat ist anzustreben.

Die Lehrer sollten unterrichten und nur im engen Rahmen Erziehungsaufgaben übernehmen. Für die Administration, die Technik und pädagogische Sonderaufgaben muss es Fachpersonal geben.

Eine Schule sollte ordentlich ausgestattet sein. Dies gilt nicht nur aus Lehrersicht, sondern vor allem aus Schülersicht.

Arbeitszeit  

Die hohe Unterrichtsverpflichtung in Deutschland hat zwei bis drei üble Konsequenzen.

Zunächst sehen Lehrer früher alt aus als nötig, und viele fühlen sich auch so.

Zweitens findet man keine gemeinsamen Freiräume, in denen mal sich mit Kollegen austauschen kann. Der Vorschlag, sich nachmittags zu treffen, läuft wegen der in fast allen Schulen jämmerlichen Arbeitsmöglichkeiten ins Leere.

Schließlich bleibt kaum Zeit, sich um die Förderung einzelner Schüler zu kümmern. Förderung kann sich sowohl auf schwache wie auf starke Schüler beziehen. Dass eine sinnvolle individuelle Förderung in Klassen mit 20+ bis 30+ Schülern nur auf dem Papier stehen kann leuchtet sicher sofort ein.

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Räumliche Bedingungen  

Dass Lehrer nach Unterrichtsschluss der Schule entfliehen, weil sie nichts mehr mit ihrem Job zu tun haben wollen - dieser Vorwurf kommt oft - halte ich für ein Gerücht. Ich würde in der Schule arbeiten, dort wäre ich weniger abgelenkt als zu Hause, WENN die räumlichen Voraussetzungen vorhanden wären. Ich brauche einen Platz, an dem ich ungestört Klausuren korrigieren, Unterricht vorbereiten, ... kann, ohne unterbrochen zu werden. Es ist ja schön, wenn man irgendwo einen Tisch besetzt, an dem alle zwei Minuten jemand vorbei kommt und freundlich grüßt, noch einen kleinen Spruch drückt oder sagt "Ach, wo ich dich grad sehe, ...". Klimamäßig ist das nett, aber konzentriert arbeiten kann man da vergessen.

Ein eigener Raum wäre da natürlich nett, aber illusorisch. Aber ein Platz, an den ich mich zurückziehen kann, an dem ich auch persönliche Dinge lassen kann (Literatur, Note-/Netbook/Tablet, zu korrigierende Klausuren, ...) ist unabdingbar. Und der muss vorhanden sein, den darf ich mir nicht erst mit Rollcontainer in einem entlegenen Klassenraum, der erst nach 15.00 Uhr frei wird, einrichten müssen. Dann fahre ich nämlich sicher nach Hause, da kann ich besser arbeiten.

Da reichen drei oder vier Quadratmeter pro Lehrer. Wem das zu viel ist, der muss sich schon fragen lassen, wieviel Bildung kosten darf. Hier ist Geld nötig, und nicht wenig. Aber wenn ich hier einen Bedarf sehe, dann eben nicht für meine eigene Tasche. Das Geld muss ins Bildungssystem!

Das war jetzt die Lehrersicht. Aber auch für die Schüler müssen bessere räumliche Bedingungen geschaffen werden. An jeder Schule muss mindestens ein Raum sein, in dem sich Schüler vor dem Unterricht, in Freistunden und nach dem Unterricht aufhalten können. Und das sollte ein wohnlicher Raum sein, der beaufsichtigt wird und in dem sich die Schüler versorgen können.
An vielen Schulen gibt es solch einen Raum nicht, an meiner zum Beispiel.

Die Versorgung
der der Schüler mit Nahrung und Getränken kann auch über Automaten erfolgen. Ein richtiger Kiosk wäre schöner, aber das ist auch eine Kostenfrage. Eine Aufsicht ist aber unverzichtbar.
Organisatorische Bedingungen  

Es wurde schon erwähnt. An unserer Schule gibt es 300-400 Computer, und zwar ein wüstes Gemisch, was Alter, Zustand und Softwarebestückung betrifft. Diese Rechner stehen meist in Computerräumen, aber auch in normalen Klassenräumen und natürlich in der Schulverwaltung. Weiterhin werden in den Klassenräumen Beamer angebracht, um bestimmte Programme vorzuführen, schnelle Recherchen durchzuführen, Experimente per Film vorzuführen, usw. (da ist eine Menge möglich).

Um diese Computer, und zwar die Hardware wie die Software, zu warten, steht etwa eine halbe Lehrerstelle zur Verfügung.
Das ist ein absolut lächerlicher Zustand, aber typisch an deutschen Schulen.

Bei dieser Anzahl von Computern müssen sich 2 feste Mitarbeiter, Fachleute, keine Lehrer!, um Hard- und Software kümmern. Da reicht es auch nicht, wenn eine Kommune für mehrere Schulen einen Fachmann einstellt, den man bei Schwierigkeiten rufen kann. "Jo, nächsten Donnerstag hätte ich noch nen Termin frei. 14.45 ist ok?" Man stelle sich das mal in der "freien Wirtschaft" vor.

Lehrer sollten sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Dazu gehören nicht: administrative Tätigkeiten wie Zeugnisdruck und Verwalten der Schülerdaten, Betreuung von naturwissenschaftlichen und technischen Laborräumen, Öffentlichkeitsarbeit, sonderpädagogische und sozialarbeiterische Aufgaben, juristische Beurteilungen (Disziplinarrecht als Beispiel). Das lässt sich fortsetzen. Für diese Tätigkeiten gibt es in anderen Ländern Fachleute, die sich drum kümmern; ich erwähnte an anderer Stelle Großbritannien, wo auf vier Lehrer eine Vollzeit-Assistenzkraft kommt.

Und was wir nicht brauchen ist eine Truppe von Leuten ohne Unterrichtserfahrung, die an den Schulen rumlaufen und einen auf Qualitätsanalyse machen. Wenn als Standardergebnis dabei herauskommt, dass Eltern, Schüler, Lehrer und Betriebe zufrieden sind, aber der Unterricht angeblich grottenschlecht, dann wirkt das zwar demotivierend, hilft aber nicht nur nicht weiter, sondern hindert an einer effektiven Fortenwicklung der Schule.

Sozialarbeit
Ich habe Chemie und Mathematik studiert, aber nicht den Umgang harten familiären Problemfällen. Hier würde ich dilettieren und wohl auch mit einem Bein in juristischen Schwierigkeiten stecken. Das muss in die Hand eines Fachmenschen.
Ab 22jul10: 2202 Bes.
jaik.de