.. 23.Sep.2019 .. 00:57 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
OECD - Education at a Glance
Das heißt ...  

... wirklich Bildung auf einen Blick, ein verräterischer Titel. (Glance: Blick, flüchtiger Blick)

'Education at a Glance' ist wie bereits angedeutet eine Ansammlung von Excel-Tabellen. Dazu kommen *.pdf-Dokumente z.B. zur Methodik.
In den Tabellen zur 'Teaching time and teachers working time' finden wir Angaben zur jährlichen Arbeitszeit, zur Zahl der Unterrichtswochen und zur Zahl der Unterrichtstage. Wir finden Zahlen zur Primarstufe, 'Lower secondary education' und 'Upper secondary education'. Ich beziehe mich auf die Zahlen zur 'Lower secondary education', da diese mit der EU-Studie vergleichbar sind.

In einem PDF-Dokument zur Methodik stehen einige kurze Bemerkungen zu den Zahlen sowie zu den Quellen. Die Betonung liegt hier auf kurze Bemerkungen.
Ich zitiere mal aus den Quellenangaben 2009, und zwar buchstabengenau:
Germany: - Federal Statistical Office, Wiesbaden.
Finland: - Statistics Finland, Helsinki; - National Board of Education, Helsinki (data on Finance).

Das ist alles. Die haben ein paar Statistiken abgefragt, mehr nicht. Auf dieser sehr differenzierten Grundlage werden dann die Arbeitszeiten der Lehrer ermittelt.

Original-pdf
sicherheitshalber bei mir gespeichert. (*)
Mehr Links hier (diese Website, neues Fenster)
Die Zahlen der OECD-"Studie"  

Die ersten vier Spalten sind aus der Originaltabelle ausschnittsweise abgeschrieben, die letzte Spalte ist berechnet.

Ich teile die Zahl der Unterrichtsstunden pro Jahr zunächst durch die Zahl der Unterrichtswochen pro Jahr und erhalte die Zahl der zu unterrichtenden Stunden pro Woche. Da mit Stunden hier Zeitstunden gemeint sind, muss ich diesen Wert noch mit 4/3 multiplizieren, das Ergebnis ist die Zahl der Unterrichtsstunden, gerechnet mit 45 Minuten (das ist der in der EU übliche Wert, nur wenige Länder weichen davon ab, z.B. Frankreich mit 50').

Land Std/Jahr UTage UWochen UStd/Wo
USA 1127 180 36 41,7
Deutschland 735 189 40 24,5
Finnland 555 190 38 19,5
Österreich 627 184 38 22
Japan 557 193 35 21,2 (*)
Dänemark 640 200 42 20,3
Niederlande 867 195 40 28,9 (*)
Neuseeland 968 194 39 33,1 (*)

In der Originaltabelle sind natürlich wesentlich mehr Länder aufgeführt. Die Zahlen in Europa liegen durchweg unter den Zahlen von Deutschland, Großbritannien und die Niederland ausgenommen.
Übrigens finden sie diese Zahlen auch im Spiegelartikel von 2003, allerdings ohne die letzte Spalte. Da hat keiner über die Zahlen nachgedacht.

2003
Die folgenden Zahlen sind aus der Untersuchung 2003, ich hätte sonst die ganzen Zahlen mühsam in die Tabelle übertragen müssen, und das ist bei einem Texteditor eine blöde Fummelsarbeit
Die Änderungen sind bei grobem Überblick eh marginal gewesen.
Erste Bemerkungen  

In Deutschland ist die Zahl von 24,5 UStd/Wo die Ausnahme. Haupt- und Realschullehrer unterrichten 28 UStd/Wo (in NRW, dem mit Abstand größten Bundesland). Diese Gruppe bildet den größten Teil der reinen SekI-Lehrer; sonst gibt es Lehrer, die ausschließlich in der SekI unterrichten, nur an Gesamtschulen.

Die Zahlen von Österreich und Dänemark scheinen einigermaßen zu stimmen, wenn man der östreichischen Presse bzw. eigenen Besuchen in unserer Partnerschule in Aalborg glauben darf. Es gibt aber in beiden Ländern eine Differenzierung nach Fächern, bei denen zB die Korrekturbelastung eingepreist wird.

Die Zahl in den USA kann man nur als absurd bezeichnen. Es kann sich nicht um die reine Unterrichtszeit handeln, 42 Wochenstunden Unterricht (Unterrricht!!) sind schon aus schulorganisatorischen Gründen nicht möglich.
Abgesehen davon fragt man sich, wann der Unterricht vor- und nachbereitet werden soll.
Vermutlich ist es allerdings sehr schwierig, gute Zahlen aus den USA zu bekommen, es wird hier möglicherweise wie bei den Gehältern regionale Unterschiede geben.

Die Zahlen in Großbritannien und den Niederlanden sind in der Realität aus ähnlichen Gründen wie in den USA (hohe Schulautonmie) nicht leicht zu erheben. Die Eurydice-Studie berücksichtigt das übrigens, die OECD schaut generös über das Problem hinweg.

Kurze Kritik

Mein Ärger bezieht sich in diesem Zusammenhang vor allem auf zwei Punkte.

Zunächst ist es lächerlich, ein paar zusammengeschluderte Exceltabellen als Studie zu bezeichnen, man beachte hier vor allem die Methode, wie die Daten erhoben wurden. Da ist ja das, was Sie gerade lesen, sorgfältiger recherchiert.
Das Werk der OECD verhält sich zur EU-Studie wie die Aussage "Regen im Mai, April vorbei" zu einer Doktorarbeit im Fach Metereologie.

Den Spiegelredakteuren sollte man auch mit der flachen Hand ins Gesicht schlagen. Über die Blödheit der Lehrer lästern, aber selbst die offenkundigen Fehler übersehen.
Das ist für uns Lehrer besonders deshalb ärgerlich, weil dieses Blatt einen sehr großen Einfluss auf die Meinungsbildung in der Gesellschaft hat.

Kleines Zitat aus der Untersuchung von Mummert 1999: "Internationale Vergleichsstudien zur Lehrerarbeitszeit sind auf Grund der sehr unterschiedlichen Ausgangslagen der einzelnen Länder höchst problematisch und dienen nicht zur Transparenz der Belastungen des Lehrberufes."

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