.. 16.Nov.2019 .. 03:34 Uhr ..
 achtung: entwurfsfassung, nur testweise im netz (bei Fehlern gerne Rückmeldung)
Die Ausbildung
Kritik an der Ausbildung  

Hier werden vor allem drei Punkte aufgeführt:

  • Die Lehrer in Deutschland treten, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, sehr spät in den Beruf ein. Grund dafür ist das späte Abitur in Deutschland, ein langes Studium und der lange Vorbereitungsdienst.
  • Die Lehrer sind unflexibel, sie sollten die Möglichkeit haben, auch in anderen Berufen arbeiten zu können.
  • In Deutschland nehmen nur die schwachen Abiturienten ein Lehramtsstudium auf, die besseren studieren was Richtiges.

Später Berufseintritt  

Überrascht las ich auf einer Seite über schottische Lehrer Lebensläufe wie " ... Mr. X, 52, unterrichtet seit 30 Jahren die Fächer ... an der Soundso-Schule in ... (beliebiger Ort in Schottland) ". Nach etwa ein bis zwei weiteren Zeilen setzte in meinem Unterbewusstsein der unbestechliche Rechenautomat ein und subtrahierte die 30 Jahre vom Lebensalter. Nochmal gelesen, stimmte. Die fangen also mit etwas über 20 an zu unterrichten, so richtig als Lehrer.
Nun schneiden die Briten in der PISA-Studie nicht besser ab als die Deutschen, aber eben auch nicht deutlich schlechter. (Spiegel)
Da kann man schon die Frage stellen, ob man die Ausbildung wirklich so aufwendig gestalten muss wie hierzulande (Bachelor -> Master -> Vorbereitungsdient/Referendarzeit, zusammen mindestens acht Jahre inkl. Leerlaufzeiten). Vier Jahre sollten auch reichen.

Wieder
eines von den verschwundenen Dokumenten, aber von meinen Kollegen mit "britischer" Erfahrung bestätigt.
Flexibilität der Lehrer  

Die mangelnde Flexibilität bekommt man oft vorgeworfen als Lehrer. Das geht dann einher mit der Bemerkung, dass man ja nicht mal ein richtiger Mathematiker, Chemiker, Germanist, Ingenieur ... ist.
Darin liegt genau das Problem bei der mangelnden Flexibilität: Lehrer studieren üblicherweise 2 (in Worten: zwei) Fächer und belegen dazu noch erziehungswissenschaftliche Fächer wie Pädagogik und Psychologie.
Erstens kann es dann nicht überraschen, dass man in den Fächern nicht das Wissen hat wie jemand mit Diplom oder Master in 1 (einem) Fach (das als Vorwurf zu formulieren zeugt schon von eingeschränkten Geistesgaben).
Zweitens hindert das natürlich auch an einem Berufwechsel, wer nimmt schon einen BWL-Lehrer, dessen Studium vielleicht 15 Jahre zurückliegt, wenn er statt dessen einen frischen Master bekommen kann. IMHO ist es kaum möglich, die Struktur des Lehrerberufs so zu verändern, dass es sinnvolle, auch für den wechselnden Lehrer akzeptable Wechselmöglichkeiten in andere Berufe gibt.

Man versucht mittlerweile, das Studium zumindest in der Bachelorphase offener anzulegen. In NRW ist aber die Bachelorphase immer noch ein 2-Fach-Studium, was einen Wechsel in ein fachwissenschaftliches Studium stark erschwert.

Man muss auch klar sehen, dass eine große Flexibilität in der Ausbildung die Konsequenz hätte, dass weniger Studenten sich letztlich für den Lehrerberuf entscheiden würden. Die Studenten könnten während des Studiums herausfinden, dass der Beruf dann doch nichts für sie ist. Oder sie stellen durch eine kleine Recherche im Internet fest, dass die Verdienstaussichten im Lehramt zwar sicher, aber dafür auch deutlich beschränkt sind. Nachwuchsprobleme in einer Reihe von Fächern haben wir aber auch so schon.

Phantasielos
Mir fehlt da einfach die Phantasie für vernünftige Ausstiege aus dem Beruf Lehrer.
Falls mir da jemand einen schönen Tipp geben kann: Mail an mich.
Lehramtsstudenten als Negativauswahl  

Ich zitiere mal einen Artikel aus dem Fokus (eine wöchentlich erscheinende Publikation mit vielen Bildern und einem der 10.000 besten Chefredakteure Deutschlands):
"Das Ifo-Institut erbrachte nun den Beweis: Grund-, Haupt- und Realschullehrer seien in der Regel mittelmäßige oder schlechte Schüler gewesen. Ihre durchschnittliche Abiturnote läge bei 2,5 – und damit eine halbe Note schlechter als die von Medizinern oder Juristen, die ihre Schulzeit im Schnitt mit der Note 2,0 abgeschlossen hätten. Auch die Gymnasiallehrer erreichten mit einer Durchschnittsnote von 2,1 diesen Wert nur knapp, behauptet die Studie."

Das Schöne an dieser Meldung ist, dass sie dankbar von allen Stammtischdeppen aufgegriffen wurde und sich hartnäckig als Tatsache in den entsprechenden Diskussionen hält.

Nun hat es mich zugegebenermaßen fast drei Minuten gekostet, über Google in Spiegel online folgendes zu finden (Zahlen aus 2005, zitiert wird eine Veröffentlichung der KMK):
"Den besten Notendurchschnitt erreichten der Statistik zufolge Abiturienten aus Thüringen - mit 2,30 liegen sie bundesweit auf dem ersten Platz. Dahinter folgen Schüler aus Baden-Württemberg (Notenschnitt 2,33), Sachsen-Anhalt (2,36), Mecklenburg-Vorpommern (2,41) und Bayern (2,43). Die schlechtesten Abi-Noten wurden in Niedersachsen vergeben, dort liegt der Schnitt bei 2,72."

Jetzt war natürlich jedem normalen auch so Menschen klar, dass die Abi-Durchschnittsnoten der Mediziner und Juristen schon wegen des NC im oberen Bereich liegen. Der Notendurchschnitt für ganz Deutschland stand nicht im Artikel, aber die Zahl wird wohl bei 2,5 liegen.
Das bedeutet, dass laut ifo die Lehramtsstudenten für die Primarstufe und die Sekundarstufe I ein durchschnittliches (und kein schlechtes!) Abitur hatten, die Gymnasialstudenten sogar eines, das deutlich über dem Durchschnitt lag.
Wie blöde darf ein Fokus-Redakteur sein, so einen Scheix zu drucken, wie blöd darf der Experte beim ifo-Institut sein, so einen sinnfreien Müll in die Öffentlichkeit zu kippen?
Wie gesagt, drei Minuten Googlesuche. Fast drei Minuten.

Goddogod
... was für ein hirnloses Gesindel.
Ich ärgere mich wirklich. Darf jeder Schwachmat auf den Lehrerberuf spucken, wie abstrus auch immer?
Jo, darf.
Kommentar  

  • Ja, die Lehrer treten in Deutschland sehr spät in den Beruf ein. Ich habe starke Zweifel daran, dass daraus ein Vorteil erwächst.
  • Eine höhere berufliche Flexibilität von Lehrern wäre wünschenswert. Ich habe keine Idee, wie ein Modell aussehen kann, nach dem das organisiert werden kann. Einen Maschinenbauingenieur kann man auch nicht nach 10 oder 15 Berufsjahren so ohne weiteres als Bauingenieur einsetzen. Oder einen Metzger als Automechaniker.
  • Dass Lehramtsstudenten sich aus dem Bodensatz der deutschen Abiturienten rekrutieren ist bei einem einfachen Lesen der Zahlen als kompletter Unsinn erkennbar, hält sich aber hartnäckig als Gerücht.
  • Eine kürzere Ausbildung halte ich für sinnvoll, wenn man den Lehrerberuf auf das Kerngeschäft beschränkt, also Verwaltung, technische Wartung und Sozialarbeit/sonderpädagogische Betreuung entsprechendem Fachpersonal überträgt.
    Eine höhere Flexibilität ist eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits wird erleichtert, bei mangelnder Eignung doch einen anderen Beruf zu ergreifen, andererseits fehlt dann der "Nachschub" in den Schulen.
    Und die Mär von den dummen Lehramtsstudenten wird sich nicht ausrotten lassen.

Ab 22jul10: 175 Bes.
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